Wenn Krebs erblich ist

Eierstockkrebs, auch als Ovarialkarzinom bekannt, ist eine der häufigsten und gefährlichsten Krebsarten bei Frauen. Der Welttag Eierstockkrebs am 8. Mai soll das Bewusstsein dafür schärfen. Um mehr über dieses Thema zu erfahren, haben wir mit Prof. Dr. Stephan Seitz gesprochen. Er ist stellvertretender Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universität Regensburg am Caritas-Krankenhaus St. Josef und Experte auf dem Gebiet der gynäkologischen Onkologie.

Herr Prof. Seitz, wie können Frauen die Symptome von Eierstockkrebs frühzeitig erkennen?
Eierstockkrebs wird häufig erst in fortgeschrittenen Stadien entdeckt, weil er zu Beginn wenig Beschwerden verursacht. Doch wer unter anhaltenden Bauch- oder Beckenschmerzen, Verdauungsproblemen, vermehrtem Harndrang, ungewöhnlicher Müdigkeit und Gewichtsverlust leidet, sollte das von seinem niedergelassenen Frauenarzt abklären lassen.

Welche Rolle spielt die Früherkennung bei der Behandlung von Eierstockkrebs?
Wird das Ovarialkarzinom früh entdeckt, erhöht das die Heilungschancen und ermöglicht weniger aggressive Behandlungen. Doch häufig handelt es sich dabei um Zufallsbefunde. Allerdings gibt es – anders als bei Brustkrebs oder Darmkrebs – keine strukturieren Früherkennungs-Programme. Denn bislang gibt es noch keinen Beweis dafür, dass diese bei Eierstockkrebs sinnhaft einsetzbar wären.

Was sind Risikofaktoren für Eierstockkrebs?
Eine genetische Veranlagung, insbesondere die BRCA-Mutation, erhöht das Risiko für Eierstockkrebs deutlich. Weitere Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit eines Ovarialkarzinoms, sind ein fortgeschrittenes Alter – das durchschnittliche Alter der erkrankten Frauen liegt bei rund 68 Jahren – Kinderlosigkeit und Übergewicht. Das Risiko kann wie bei fast allen Krebsarten durch einen gesunden Lebensstil beeinflusst werden.

Welche Anzeichen sprechen für eine genetische Veranlagung?
Wenn in einer Familie Brust- oder Eierstockkrebs gehäuft bzw. bereits im jungen Alter aufgetreten ist, kann das eine Anzeichen für eine genetisch bedingte Krebserkrankung sein. Frauen, die aus so einer Familie stammen, sollten sich in einem zertifizierten Zentrum für Familiären Brust- und Eierstockkrebs beraten lassen und sich frühzeitig damit auseinandersetzen.

Das Caritas-Krankenhaus ist zertifiziertes Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs. Wie profitieren die Patientinnen davon?
Die Zertifizierung garantiert einerseits ein hohes Maß an Expertise und spezialisierten Behandlungsansätzen für diese Krebsarten. Andererseits erhalten Frauen die ihr Risiko noch nicht kennen, eine genaue Analyse ihres wahrscheinlichen Risikos. Dieses lässt sich am besten mit einer molekulargenetischen Testung anhand einer Blutprobe bei einer Betroffenen der Familie ermitteln. Ist dies nicht möglich, stehen uns noch zahlreiche andere Methoden zur Verfügung, um das Risiko zu bestimmen. Je nachdem wie das Ergebnis ausfällt, können wir den Patientinnen unterschiedliche Maßnahmen, von einem intensivierten Früherkennungsangebot (bei Brustkrebs) bis hin zu risikoreduzierenden operativen Eingriffen, anbieten.
Für bereits erkrankte Patientinnen, können gegebenenfalls spezielle Therapieverfahren angeboten werden.

Gab es in der Behandlung von Eierstockkrebs in den letzten Jahren Fortschritte?
Auf jeden Fall! Dazu zählt die gezielte, personalisierte Medizin, ebenso wie die medikamentöse Therapie mit PARP-Inhibitoren, die eine effektivere und schonendere Behandlung ermöglichen.

Vielen Dank für das Interview!

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