Wenn der Körper überreagiert

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) beeinflussen das Leben von Millionen Menschen weltweit. Und obwohl sie nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für ihre Familien eine große Herausforderung darstellen, ist noch wenig über Erkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa bekannt. Zum Welt-CED-Tag haben wir mit Prof. Dr. Alois Fürst, dem Direktor der Klinik für Allgemeinchirurgie am Caritas-Krankenhaus St. Josef, über diese komplexen und oft unterschätzten Krankheiten gesprochen.

Herr Prof. Fürst, was versteht man unter chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen?
Bei Menschen mit einer CED gerät die Immunabwehr des Magen-Darm-Traktes außer Kontrolle. Dadurch können Darmbakterien die schützende Darmbarriere überwinden und in den Körper gelangen. Der Körper reagiert dann auf eigentlich harmlose Bakterien mit einer starken Entzündungsreaktion. Die Symptome können sich in Form von starken Bauchkrämpfen, häufigem und manchmal blutigem Durchfall, Mangelerscheinungen sowie rheumatischen Gelenkbeschwerden oder Hautirritationen äußern. Oft verläuft die Erkrankung in Schüben.

Welche Formen von CED gibt es?
Im Wesentlichen zählt man Colitis ulcerosa und Morbus Crohn zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Zu Beginn einer Erkrankung lässt sich nicht immer genau sagen, welche Form vorliegt, denn die Krankheitsverläufe sind von Patient zu Patient sehr unterschiedlich.
Man kann jedoch sagen, dass Morbus Crohn den gesamten Magen-Darm-Trakt – vom Mundraum bis zum Enddarm – betreffen kann, während bei Colitis ulcerosa in der Regel nur der Dickdarm betroffen ist.

Wie häufig sind chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und welche Faktoren tragen zu ihrer Entstehung bei?
Man schätzt, dass in Deutschland ca. 600.000 Patienten davon sind. Fälle von Colitis ulcerosa sind dabei knapp doppelt so häufig wie Morbus Crohn. Die Erstdiagnose wird meistens im Alter zwischen 15 und 30 Jahren gestellt. Männer und Frauen sind in etwa gleich häufig betroffen. 
Neben einer genetischen Veranlagung gibt es auch vermeidbare Risikofaktoren für die Entstehung oder den Krankheitsverlauf. So ist Rauchen für die Entwicklung des Morbus Crohn ein Risikofaktor und kann zudem die Krankheitsschwere negativ beeinflussen. Auch Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac können den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen.

Wann kommen Patienten mit CED ins Caritas-Krankenhaus St. Josef?
Zum einen kommen Patienten in die Notaufnahme, die einen akuten Krankheitsschub erleiden. Wenn Schmerzen, Fieber und Durchfall auftreten, ist oft eine stationäre Behandlung notwendig. Meistens werden Patienten durch die Hausärzte und niedergelassenen Gastroenterologen zur OP eingewiesen. Das ist der Fall, wenn sich durch die medikamentöse Therapie die Entzündung nicht eindämmen lässt oder Engstellen im Darm auftreten und ein Darmverschluss droht.

Welche operativen Behandlungsmöglichkeiten bietet das Caritas-Krankenhaus St. Josef an?
Wenn eine medikamentöse Therapie nicht mehr ausreicht, bieten wir im Caritas-Krankenhaus St. Josef den Patientinnen und Patienten das gesamte operative Behandlungs-Spektrum an. So kann ein erkranktes Darmstück minimal-invasiv, also mit kleinsten Schnitten, entfernt werden. Bei der Colitis ulcerosa kann durch eine Entfernung des gesamten Dickdarms sogar eine Heilung der Erkrankung erreicht werden.
Manche Patienten mit sehr schweren Verläufen brauchen gelegentlich vorübergehend einen künstlichen Darmausgang, also ein Stoma. Falls ein Stoma dauerhaft notwendig sein sollte oder Patienten bereits ein Stoma besitzen, bieten wir bei uns auch die Anlage eines kontinenten Dünndarmstomas, einen sogenannten Kock-Pouch, an. Dadurch wird in vielen Fällen die Lebensqualität deutlich erhöht. Wir behandeln viele Patienten mit Darmfisteln, die beim Morbus Crohn sehr hartnäckig und belastend sein können.
Schwierige Fälle werden bei uns im Haus in einem interdisziplinären CED-Board besprochen. Internisten und Chirurgen diskutieren hier aufgrund aller vorliegender Befunde die medikamentösen und operativen Therapieoptionen. Auch externe, niedergelassene Behandler von CED-Patienten, können hier ihre Patienten vorstellen, um gemeinsam die besten Therapieoptionen für den Patienten zu planen.

Kann man chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen vorbeugen und gibt es Früherkennungsmaßnahmen?
Da der Hauptrisikofaktor genetischer Ursache zu sein scheint, ist eine Prävention schwierig. Nicht zu rauchen und eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist – auch unabhängig vom Risiko an einer CED zu erkranken – natürlich zu empfehlen. Im Vordergrund steht, die Erkrankung möglichst früh festzustellen, um Komplikationen wie Engstellen im Darm zu vermeiden. Bei Symptomen wie anhaltende Durchfälle, immer wiederkehrende Bauchschmerzen oder insbesondere bei Blutbeimengung beim Stuhlgang ist eine gastroenterologische Abklärung und gegebenenfalls eine Darmspiegelung dringend anzuraten.

Vielen Dank für das Interview!

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