Vom Krankenpflegehelfer zum Pflegewissenschaftler

Der Pflegeberuf bietet eine große Bandbreite an Entwicklungsmöglichkeiten. Wir haben mit einem Mann gesprochen, der es wissen muss: Maximilian Schindlbeck. Der 35-Jährige arbeitet heute als Pflegewissenschaftler – die ersten Schritte ins Berufsleben machte er als Krankenpflegehelfer.

Herr Schindlbeck, vom Krankenpflegehelfer zum Pflegewissenschaftler – das ist ein langer Weg. Warum haben Sie nicht gleich studiert oder eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger gemach
Ich habe von meiner Mama, die in der Pflege arbeitet, einiges mitbekommen. Das hat sich zwar interessant angehört, trotzdem war ich mir nicht sicher, ob es das Richtige für mich ist. Ich habe mich für die einjährige Helferausbildung entschieden, um erste Eindrücke zu sammeln und zu klären: Passt das überhaupt zu mir?

Scheinbar hat es gepasst…
Auf jeden Fall! Während dem Jahr am Evangelischen Krankenhaus habe ich viel gelernt und die Arbeit mit und am Patienten hat mir viel Spaß gemacht. Doch ich habe schnell gemerkt: Ich will mehr lernen, mehr Wissen sammeln. Und so habe ich mich für die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger entschieden. Und haben dabei eine neue Leidenschaft für sich entdeckt. Genau – die Fachbereiche Geriatrie und Gerontologie, die auch heute zu meinen Schwerpunkten zählen. Nach meiner Ausbildung habe ich daher in einer Geriatrischen Reha angefangen. Dort habe ich viel mit älteren Schlaganfall-Patienten gearbeitet, die unter Lähmungen und Spastiken litten. Das hat mich nicht losgelassen. Ich wollte wissen, wie man diese Menschen mit therapeutischen Maßnahmen unterstützen kann und habe noch eine dreijährige Ausbildung gemacht – zum Ergotherapeuten.

Wie sind Sie dann zu uns nach St. Josef gekommen?
Das war eine glückliche Fügung: Als ich examinierter Ergotherapeut war, hat St. Josef gerade die Alterstraumatologie eröffnet und sowohl Gesundheits- und Krankenpfleger als auch Ergotherapeuten gesucht. Für mich die perfekte Kombi. Man hat mir ermöglicht, in beiden Bereichen zu arbeiten.

Trotzdem haben Sie noch einmal die Schulbank gedrückt?
Genau. Ich habe eine Fachweiterbildung zum Therapeuten im Affolter-Modell absolviert. Diese Methode soll Menschen mit einer Schädigung des Gehirns helfen, ihre Umwelt besser wahrzunehmen. Doch letztlich hat mich immer die Frage beschäftigt: „Welche Maßnahmen haben einen Effekt beim Patienten? Nützt das, was wir täglich tun, dem Patienten?“ Bis meine ehemalige Pflegedienstleitung irgendwann sagte: „Studier´ doch Pflegewissenschaften! Da kannst Du Dich genau mit dieser Thematik beschäftigten!“

Und Sie waren sofort Feuer und Flamme?
So würde ich das nicht sagen (lacht). Ich habe mir gedacht: „Ich bin doch Praktiker“. Außerdem war ich mir nicht sicher, ob ich solch ein Studium überhaupt schaffen würde, da wissenschaftliches Arbeiten bis dato eigentlich nicht zu meinem Aufgabenbereich zählte. Letztlich habe ich mich aber doch für das berufsbegleitende Studium „Angewandte Pflegewissenschaften“ an der Evangelischen Hochschule in Nürnberg eingeschrieben – genau wie meine heutige Kollegin Belinda Pflügl. Wie wurde Ihre Entscheidung hier im Haus aufgenommen? Sehr positiv! Und das war auch nötig. Denn es waren sieben Semester, in denen immer wieder wochenweise die Module zu absolvieren waren. So etwas lässt sich nur mit dem Berufsalltag vereinbaren, wenn die Unterstützung vom Haus und auch durch die Kolleginnen und Kollegen gegeben ist.

Konnten Sie das Gelernte auch umsetzen?
Ja, zum Glück! Ich bin auf viel Offenheit gestoßen, wenn es darum ging, etwas Neues, Innovatives auszuprobieren. Das Team der Station 5, auf der ich damals gearbeitet habe, war immer offen für einen Austausch. Auch bin ich von der DPP in viele Projekte eingebunden worden, bei denen ich mein neu erlerntes Fachwissen einbringen konnte – zum Beispiel bei der Umsetzung des Expertenstandards zur Sturzprophylaxe oder in der pflegerischen Versorgung von Menschen mit Demenz und Delir. Mittlerweile arbeiten Sie Vollzeit als Pflegewissenschaftler in St. Josef.

Vermissen Sie die Zeit am Patientenbett?
Ja, die vermisse ich tatsächlich. Allerdings sehe ich mich immer noch nah am Patienten. Nicht nur, weil ich immer noch hospitiere, sondern auch, weil alles, was wir entwickeln dem Patientenwohl dienen soll – deshalb „angewandte“ Pflegewissenschaft. Wir sehen uns selbst als Bindeglied zwischen Theorie und Praxis, das ist uns sehr wichtig.

Wenn wir schon dabei sind, wie sieht so ein Arbeitstag bei Ihnen aus?
Kein Tag ist gleich. Das ist auch das Tolle daran. Meine Kollegin Belinda Pflügl und ich arbeiten an unterschiedlichen Projekten, die sich meist in unterschiedlichen Phasen befinden. Wir entwickeln und implementieren Standards, bieten Schulungen an, überprüfen und verbessern Prozesse und stehen als Ansprechpartner für Pflegekräfte wie auch Studierende zur Verfügung.

Können Sie uns ein Beispiel für die Projekte nennen an denen Sie arbeiten?
Ein Projekt ist QUMEA, unser KI-basiertes Sensorsystem, zur Sturzprophylaxe. Im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit der DPP, Unfallchirurgie und der Ostbayerischen Technischen Hochschule haben wir den Nutzen eines solchen Sensors während der Teststellung an unserem Haus untersucht. Hier sind wir vor wenigen Wochen mit der Evaluation fertig geworden.

Zum Schluss noch eine Frage: Was würden Sie jungen Menschen raten, die vor dem Beginn ihres Berufslebens stehen und sich überlegen, einen Beruf in der Pflege zu ergreifen sollen?
Auf jeden Fall! Der Beruf ist abwechslungsreich und wie mein Beispiel zeigt, kann man nicht nur in ganz unterschiedlichen Bereichen arbeiten, sondern hat auch viele Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln. Wer sich trotzdem noch unsicher ist, für den ist ein Praktikum oder ein Freiwilliges Soziales Jahr eine gute Möglichkeit, um reinzuschnuppern. Beides bieten wir hier in St. Josef an!


Zur Person:

Maximilian Schindlbeck (35) arbeitet seit 10 Jahren am Caritas-Krankenhaus St. Josef. Neben einer Ausbildung zum Krankenpflegehelfer hat er eine abgeschlossene Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger sowie zum Ergotherapeuten. Er verfügt über den Bachelor in „Angewandter Pflegewissenschaft“ und arbeitet gerade berufsbegleitend an seinem Master in „Gerontologie“. Neben seiner Tätigkeit als Pflegewissenschaftler bei uns in St. Josef ist er auch als Dozent an der OTH Regensburg tätig.

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