Forschung in St. Josef: Krankheiten früher erkennen und behandeln

Nicht nur, aber besonders als Haus mit zwei universitären Kliniken, ist St. Josef auch ein Ort der Forschung. Viele unserer Ärztinnen und Ärzte arbeiten in der Krankenversorgung und sind darüber hinaus an zahlreichen klinischen Studien und wissenschaftlichen Projekten beteiligt. Wir haben mit Prof. Dr. Dr. Roman Mayr gesprochen. Der Leitende Oberarzt an der Klinik für Urologie forscht seit Jahren erfolgreich in seinem Fachgebiet.

Herr Prof. Mayr, was bedeutet Forschung in St. Josef?
Im Gegensatz zur Grundlagenforschung, die versucht, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, was bei einer Erkrankung im Körper passiert, betreiben wir in St. Josef patientenorientierte, klinische Forschung. Das heißt, wir stellen uns vor allem die Frage, wie man Krankheiten früher erkennen und besser behandeln kann. Im Idealfall können wir die Ergebnisse unserer Forschung im klinischen Alltag umsetzen und so zu einer besseren Patientenversorgung beitragen. In der Urologie forschen wir hauptsächlich an Themen, die die Behandlung von Tumorerkrankungen, Harnsteinleiden oder gutartigen Prostatavergrößerungen verbessern sollen.

Soweit die Theorie. Können Sie uns das an einem praktischen Beispiel erklären?
Ein Beispiel ist unsere Studie „Retroperitoneale versus transperitoneale laparoskopische Roboter-assistierte Nierenteilresektion“. Die Nierenteilresektion kommt zum Einsatz, wenn wir einen Nierentumor entfernen, aber die Niere dabei so weit wie möglich erhalten möchten.
Nun besteht die Möglichkeit, den Zugang zur Niere mit unserem da Vinci OP-Robotersystem durch den vorderen Bauchraum zu schaffen (transperitoneal) oder durch den hinteren (retroperitoneal). In der Studie untersuchen wir, ob einer der beiden Zugangswege das Ergebnis für den Patienten verbessert: Ob er zum Beispiel weniger Schmerzen hat oder, ob er nach der OP schneller wieder mobil ist. Um das herauszufinden, wählen wir geeignete Patienten für die Studie aus und das Los entscheidet, welchen Zugang wir bei der OP wählen. Im Moment haben wir zwei Drittel der benötigten Eingriffe bereits durchgeführt. Wir sind schon sehr gespannt auf die endgültigen Ergebnisse, denn wir sind deutschlandweit die ersten, die eine solche Studie durchführen.

Das hört sich sehr spannend an. Warum hat auf dem Gebiet noch keiner geforscht?
Das ist tatsächlich ein tolles Projekt, aber man braucht gewisse strukturelle Voraussetzungen dafür. Auch wir können das nur angehen, weil wir zwei da Vinci-OPRobotersysteme besitzen und weil wir aufgrund der vielen Patienten, die wir behandeln, auch die entsprechenden Fallzahlen für eine derartige Studie haben. Zudem ist das Studienzentrum, das Dr. Marco Schnabel leitet, für uns eine große Unterstützung.

Sie sagen, wir haben hohe Fallzahlen, aber sind die Patienten auch immer bereit, an Studien teilzunehmen?
Ich würde sagen, rund 90 Prozent unserer Patientinnen und Patienten reagieren positiv auf unsere Anfrage; nicht nur bei dieser, auch bei anderen Studien. Es ist allerdings wichtig, dass man sie gut informiert und transparent ist. Die Aufklärungsgespräche führen meist unsere Assistenzärztinnen und Assistenzärzte und die machen das sehr gut. Außerdem sind viele Patienten motiviert, mitzumachen, weil sie das Gefühl haben, sie leisten einen Beitrag zur Verbesserung der medizinischen Forschung. Und die Patienten wissen: ihre Sicherheit steht immer im Fokus. Wir wählen nur Personen für die Studie aus, die auch wirklich für einen Eingriff über beide Zugangswege geeignet sind.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Auch wenn wir Universitätsmedizin betreiben und Forschung für uns ein wichtiger Baustein ist, bin ich natürlich in erster Linie im klinischen Alltag tätig. Ich betreue Patienten stationär und bin viel im OP. Für die Forschung muss ich mir Zeitfenster schaffen. Die sind häufig am Abend. Dann habe ich mehr Luft, mich mit den Assistenten, die uns bei der Forschung unterstützen, zu besprechen und mit ihnen Ergebnisse zu diskutieren. Und ehrlicherweise muss man dafür auch Freizeit opfern. Aber Wissenschaftler sind von Haus aus idealistisch und bereit auch mal Extrameilen zu laufen.

Lassen sich dann klinische Arbeit und Forschung überhaupt vereinen?
Wie gesagt, man muss sich die Zeit nehmen und – was auch ganz wichtig ist – man braucht ein gutes Team im Hintergrund. Wir haben zum Glück eine große und motivierte Mannschaft. Da helfen alle mit. Klinische Forschung ist nichts für Einzelkämpfer, da braucht es Teamwork!

Was macht einen guten Wissenschaftler noch für Sie aus?
Als Forscher muss man geistig flexibel sein. Ich vergleiche das mit einem Touristen, der durch eine fremde Stadt läuft und auf dem Weg zu einem bestimmten Ziel ist. Gerät er in eine Sackgasse, dann wird er nicht sagen, dann bleibe ich hier stehen oder drehe um. Er wird ein paar Schritte zurückgehen und einen anderen Weg versuchen. So ist es auch in der Forschung: komme ich an einer Stelle nicht weiter, muss ich mir überlegen: gibt es einen anderen Ansatz, der mich weiterbringt? Auch hier ist es hilfreich, ein Team um sich zu haben, mit dem man sich austauschen kann. Ein gutes Team macht viel aus und bringt mehr Spaß.
Unabhängig davon braucht man als Wissenschaftler schon einen langen Atem. Denn nicht immer läuft alles glatt, nicht immer kommt man zu den Ergebnissen, die man sich zu Beginn vielleicht vorgestellt hat. Und das macht die guten Wissenschaftler aus: sie kommen zu einem Ergebnis, weil sie auch nach einer langen Durststrecke nicht aufgeben.

Vielen Dank für das Interview!

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