Veränderungen ernst nehmen – frühe Abklärung lohnt sich

Der September steht im Zeichen der Aufklärung über gynäkologische Krebserkrankungen. Der sogenannte Awareness-Monat soll das Bewusstsein für Eierstock-, Gebärmutterhals- und Gebärmutterschleimhautkrebs stärken. Prof. Dr. Susanne Schüler-Toprak, Oberärztin an der Universitätsfrauenklinik am Caritas-Krankenhaus St. Josef, gibt einen Überblick über Symptome, Vorsorge- und Behandlungsmöglichkeiten.

Prof. Dr. Susanne Schüler-Toprak im Beratungsgespräch mit einer Patientin

„Trotz großer medizinischer Fortschritte werden gynäkologische Krebserkrankungen oft erst in fortgeschrittenen Stadien erkannt“, erläutert die Gynäkologin. Ein Grund dafür könnte sein, dass viele Frauen bei Beschwerden zunächst zögern, ärztlichen Rat einzuholen – auch weil Themen rund um die Intimgesundheit noch immer mit Scham verbunden sind „Umso wichtiger ist es, dass wir über gynäkologische Krebserkrankungen ins Gespräch kommen“, so Prof. Schüler-Toprak. „Wer Warnzeichen kennt und Veränderungen frühzeitig abklären lässt, verbessert die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung erheblich. Aufklärung und Aufmerksamkeit können Leben retten.“

Bei etwa 11.000 Frauen in Deutschland wird jährlich Gebärmutterschleimhautkrebs (Endometriumkarzinom) diagnostiziert. Diese Krebsart tritt zum überwiegenden Teil nach den Wechseljahren auf, und kann durch das Symptom einer vaginalen Blutung gut früh erkannt werden. „Treten in der Postmenopause plötzlich wieder vaginale Blutungen auf, sollte man sich untersuchen lassen“, erklärt die Oberärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universität Regensburg am Caritas-Krankenhaus St. Josef unter der Leitung von Prof. Dr. Olaf Ortmann. Die Therapie bestehe in den meisten Fällen aus einer minimalinvasiven Entfernung der Gebärmutter und der Eierstöcke. Nach diesem Eingriff, so die Oberärztin, sei oftmals keine weitere Therapie erforderlich. 

In den vergangenen Jahren ist es gelungen, die Behandlung dieser Tumorart immer besser auf die individuellen Eigenschaften des Tumors abzustimmen. Zusätzlich zur Operation stehen Strahlen- und Chemotherapie zur Verfügung. Wird die Erkrankung in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt, können moderne Immuntherapien die Behandlungsmöglichkeiten deutlich verbessern und das Überleben verlängern.

Beim Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) treten zunächst meist keine Symptome auf, bedauert Prof. Schüler-Toprak: „Die Frauen merken oft erst dann, dass etwas nicht stimmt, wenn das Bauchfell mitbetroffen ist. Der Bauchumfang wächst, obwohl man wenig Appetit hat und weniger isst als üblich.“ Rund 7.000 Frauen in Deutschland erkranken jährlich, und eine Prävention im eigentlichen Sinn gebe es bisher nicht. „Wenn aus anderen Gründen eine gynäkologische Operation notwendig wird – zum Beispiel eine Gebärmutterentfernung wegen starker oder unregelmäßiger Blutungen –, sprechen wir mit der Patientin auch darüber, dass die Eileiter gleichzeitig entfernt werden können. Dadurch kann das Risiko für Eierstockkrebs um bis zu 80 % gesenkt werden“, so Prof. Schüler-Toprak. 

Eierstockkrebs wird meist zunächst operiert. Danach folgt eine Chemotherapie und häufig eine weitere Behandlung zur Stabilisierung des Therapieerfolgs. Die Ärztin macht den Betroffenen Mut: „Wir haben in den vergangenen Jahren Fortschritte erlebt, von denen wir zuvor nicht zu träumen gewagt haben.“

Besonders wichtig: die HPV-Impfung

Diese Fortschritte gelten auch für die Behandlung von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom), erklärt Prof. Dr. Schüler-Toprak. „Noch wichtiger sind allerdings Vorsorge und Früherkennung.“ Besonders am Herzen liegt ihr die HPV-Impfung: „Am allerwichtigsten ist es, Kinder impfen zu lassen, sowohl Mädchen als auch Jungen.“ Für diese Krebsart stehe eine sehr gut verträgliche Impfung zur Verfügung, die für Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 14 Jahren empfohlen wird. Entscheidend ist, dass die Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgt, da Humane Papillomaviren (HPV) in der Bevölkerung weit verbreitet sind. Einige dieser Virustypen können Gebärmutterhalskrebs und andere Krebserkrankungen verursachen. Eine hohe Impfquote kann nachweislich die Zahl der Todesfälle durch Gebärmutterhalskrebs senken. 

Für Frauen zwischen 21 und 34 Jahren steht ein jährliches Früherkennungsangebot beim Frauenarzt zur Verfügung. Dabei wird ein Abstrich vom Gebärmutterhals entnommen, um mögliche Zellveränderungen frühzeitig zu erkennen. Für Frauen ab 35 wird eine Kombinationsuntersuchung aus Abstrich und HPV-Test angeboten. „Gerade weil frühe Veränderungen keine Beschwerden verursachen lohnt es sich, die Früherkennungsmöglichkeiten wahrzunehmen!“, weiß die Oberärztin. „Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs lassen sich meist durch einen kurzen ambulanten Eingriff sehr gut behandeln.“ Liegt bereits eine bösartige Erkrankung vor, kann diese in frühen Stadien ebenfalls operiert werden. Im fortgeschrittenen Stadien kommen vor allem Strahlentherapien und, sofern es erforderlich ist, zusätzlich moderne Immuntherapien zum Einsatz. 

Therapie auf neuestem Stand der Wissenschaft

Die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universität Regensburg am Caritas-Krankenhaus St. Josef ist Teil der CCC Allianz WERA, einem Verbund der Comprehensive Cancer Center in Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg. Das Bündnis ist von der Deutschen Krebshilfe als Onkologisches Spitzenzentrum anerkannt und bildet gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum einen Standort des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT WERA). Dadurch können Frauen, auf dem neuesten Stand der Wissenschaft und mit modernster Ausstattung therapiert werden. „Wir können unseren Patientinnen dadurch auch die Teilnahme an Studien ermöglichen. Klinische Studien helfen dabei, neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und moderne Behandlungsmöglichkeiten möglichst früh den Patientinnen zugutekommen zu lassen“, so Prof. Schüler-Toprak. 

Ein großes Anliegen der Gynäkologin ist es, Frauen zu ermutigen, bei Beschwerden oder Veränderungen nicht zu zögern, ärztlichen Rat einzuholen. Gerade Themen rund um die Intimgesundheit werden oft hinausgeschoben oder nicht sofort angesprochen. „Dabei gibt es keinen Grund, sich mit solchen Beschwerden allein zu belasten. Je früher Veränderungen abgeklärt werden, desto besser sind in vielen Fällen die Behandlungsmöglichkeiten“, sagt Prof. Dr. Schüler-Toprak. „Und selbst wenn eine Krebserkrankung festgestellt wird, gibt es heute wirksame Therapien und viele Wege, die Patientinnen gemeinsam mit ihrem Behandlungsteam durch diese Zeit zu begleiten."

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