Delir im Alter: Frühzeitig erkennen und vorbeugen

Zum Tag der älteren Menschen am 1. Oktober rückt die medizinische Versorgung von Seniorinnen und Senioren in den Mittelpunkt. Für das Caritas-Krankenhaus St. Josef in Regensburg ist der Aktionstag Anlass, auf die Bedürfnisse älterer Patientinnen und Patienten im Krankenhaus aufmerksam zu machen. Eine besondere Herausforderung ist dabei das Delir.

Wenn ältere Menschen im Krankenhaus plötzlich verwirrt, unruhig oder ungewöhnlich zurückgezogen sind, kann ein Delir die Ursache sein. Dieser akute Verwirrtheitszustand tritt häufig bei älteren Menschen auf. Anders als eine Demenz entwickelt sich ein Delir plötzlich und kann in seiner Ausprägung und Dauer stark schwanken. 

„Das Delir ist wie der Herzinfarkt ein Notfall. Es kommt nicht einfach so – deshalb sollten wir immer nach der Ursache suchen“, erklärt Ulrike Markert, Fachärztin für Innere Medizin, Geriatrie und Palliativmedizin und Oberärztin der Sektion Geriatrie am Caritas-Krankenhaus St. Josef. Auslöser eines Delirs können zum Beispiel eine akute Erkrankung, eine Operation, Schmerzen oder eine ungewohnte Umgebung sein. Besonders gefährdet sind ältere Menschen mit einer Demenz. Für sie kann bereits die Aufnahme in ein Krankenhaus eine erhebliche Belastung darstellen und ein Delir begünstigen. 

Wenn sich ein älterer Mensch plötzlich verändert

Entscheidend ist, ein Delir frühzeitig zu erkennen. Patientinnen und Patienten mit einem Delir benötigen eine intensive medizinische Behandlung, um einer weiteren Verschlechterung ihres Gesundheitszustands entgegenzuwirken. Deshalb gibt es am Caritas-Krankenhaus St. Josef ein Demenz- und Delir-Management, das aus speziell ausgebildeten Fachkräften besteht. Das Team arbeitet mit speziellen Assessmentverfahren. Dahinter verbergen sich standardisierte Instrumente zur Einschätzung der geistigen Leistungsfähigkeit. Eine wichtige Ergänzung ist das Gespräch mit den Angehörigen. „Wenn auf einmal alles komplett anders ist, wenn Angehörige sagen: Ich erkenne meinen Vater nicht wieder – dann ist das oft ein Zeichen“, erklärt Max Schindlbeck, Gerontologe (M.Sc.) und Mitarbeiter im Demenz- und Delir-Management.

Wird ein Delir festgestellt, stimmt er die weiteren Schritte mit einem Facharzt für Geriatrie ab. Anschließend erhalten die Pflegefachkräfte konkrete Handlungsempfehlungen. Eine eigens entwickelte Taschenkarte am Pflegewagen unterstützt das medizinische Personal dabei, das Risiko für ein Delir zu erkennen und vorbeugende Maßnahmen einzuleiten.

Orientierung und Sicherheit

Es gibt verschiedene Ansätze, einem Delir vorzubeugen oder es zu lindern. Wichtig dabei ist, die ungewohnte Umgebung vertrauter zu machen und den Patientinnen und Patienten Orientierung und Sicherheit zu vermitteln. Fotos, persönliche Gegenstände oder Gewohnheiten können dabei unterstützen. Mit Hilfe eines Biografiebogens werden Angewohnheiten und vertraute Rituale in den Krankenhausalltag integriert – etwa Lieblingslieder, Essgewohnheiten oder der Kräutertee zum Einschlafen. Die Angehörigen werden als wichtige Bezugspersonen in die Behandlung mit einbezogen. Ebenso wichtig sind Bewegung und Beschäftigung, ausreichend Essen und Trinken sowie regelmäßiger Schlaf. All dies trägt dazu bei, den Alltag zu strukturieren sowie Gesundheit und Wohlbefinden zu fördern. 

Bei besonders gefährdeten Patientinnen und Patienten begleitet das Demenz- und Delir-Management auch rund um eine Operation. Ein vertrautes Gesicht vor der Narkose und beim Aufwachen kann helfen, Stress und Ängste zu reduzieren.

Geriatrie: Den ganzen Menschen im Blick

Delir-Prävention ist Teil des ganzheitlichen geriatrischen Konzepts am Caritas-Krankenhaus St. Josef. Bereits in der Notaufnahme können ältere gefährdete Menschen durch ein geriatrisches Screening identifiziert werden. Auf der geriatrischen Station begleitet dann ein multiprofessionelles Team aus Ärztinnen und Ärzten, Pflege, Physiotherapie, Ergotherapie, Psychologie, Sozialdienst und weiteren Fachbereichen die Patientinnen und Patienten. In der Geriatrischen frührehabilitativen Komplexbehandlung (GfK) stehen die Förderung von Mobilität, Selbstständigkeit und Alltagsfähigkeiten im Fokus. „Wir wollen nicht nur die aktuelle Erkrankung behandeln, sondern den Menschen in seiner ganzen Lebenssituation sehen. Unser Ziel ist es, die Selbständigkeit älterer Menschen möglichst zu erhalten oder wiederherzustellen und ihnen den Weg zurück in den gewohnten Alltag zu erleichtern,“ so Ulrike Markert.

 

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