Darauf macht der Welt-Eierstockkrebstag aufmerksam. Jedes Jahr erhalten rund 7.500 Frauen in Deutschland die Diagnose eines sogenannten Ovarialkarzinoms. Besonders tückisch: In etwa drei von vier Fällen wird die Krankheit erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt.
„Das ist die zentrale Herausforderung: Es gibt keine verlässliche Früherkennung, und die Symptome sind meist unspezifisch“, sagt Prof. Dr. Stephan Seitz, stellvertretender Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universität Regensburg am Caritas-Krankenhaus St. Josef unter der Leitung von Prof. Dr. Olaf Ortmann. Viele Beschwerden würden zunächst falsch eingeordnet. „Dadurch geht wertvolle Zeit verloren.“
Wer besonders aufmerksam sein sollte
Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko deutlich – im Durchschnitt sind die Patientinnen bei der Diagnose 68 Jahre alt. Auch Kinderlosigkeit und Übergewicht können eine Rolle spielen. Ein wichtiger Faktor sind zudem die Gene: Bei etwa jeder vierten Betroffenen lassen sich Veränderungen in den sogenannten BRCA-Genen nachweisen.
Gerade wenn Brust- oder Eierstockkrebs in der Familie häufiger vorkommt, lohnt sich ein genauer Blick. „In solchen Fällen empfehlen wir, frühzeitig eine genetische Beratung in Anspruch zu nehmen“, so Prof. Seitz.
Spezialisierte Hilfe vor Ort
Am Caritas-Krankenhaus St. Josef in Regensburg finden Betroffene und Risikopatientinnen genau diese Unterstützung. Das zertifizierte Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs ist Teil des Onkologischen Zentrums und arbeitet eng mit dem Universitätsklinikum Regensburg zusammen.
Hier wird nicht nur behandelt, sondern auch individuell beraten: Wie hoch ist mein persönliches Risiko? Welche Vorsorge ist sinnvoll? Und welche Schritte folgen, wenn tatsächlich eine genetische Veranlagung vorliegt?
„Wir betrachten jede Patientin ganzheitlich und besprechen die nächsten Schritte im interdisziplinären Team, etwa in einem eigenen Gendiagnostik-Board“, erklärt Prof. Seitz.
Für Frauen mit erhöhtem Risiko gibt es spezielle Programme zur engmaschigen Früherkennung und Nachsorge. Ziel ist es, bösartige Veränderungen möglichst früh zu entdecken oder das Risiko durch präventive Maßnahmen zu senken.
Die Behandlung von Eierstockkrebs hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. In spezialisierten Teams wird heute meist eine Kombination aus Operation und medikamentöser Therapie eingesetzt. Ziel ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen. Auch wird die Behandlung immer zielgerichteter. Dazu zählen etwa PARP-Inhibitoren, die gezielt in den Reparaturmechanismus von Krebszellen eingreifen. „Diese Medikamente verhindern, dass Krebszellen Schäden an ihrem Erbgut reparieren, und führen so zum Absterben der Tumorzellen“, erklärt der Gynäkologe.
Auf den eigenen Körper hören
So unterschiedlich die Krankheitsverläufe sind, eine Botschaft bleibt für Prof. Seitz zentral: „Wir können medizinisch viel leisten. Aber entscheidend ist, dass Frauen Veränderungen ernst nehmen und frühzeitig abklären lassen.“ Der Welt-Eierstockkrebstag will genau dazu ermutigen: hinzuschauen, nachzufragen – und dem eigenen Körper zuzuhören.
















