„Für mich ist Geriatrie mehr als Medizin – es geht darum, den ganzen Menschen zu betrachten. Wir konzentrieren uns nicht nur auf das Symptom, sondern auch auf Körper, Psyche und das soziale Umfeld“, so Dr. Nadine Rix-Markus, Oberärztin für Innere Medizin und Geriatrie am Caritas-Krankenhaus St. Josef in Regensburg. Gemeinsam mit Oberärztin Ulrike Markert leitet sie die Sektion Geriatrie seit 2023. Auf Station 5, der akutgeriatrischen Einheit, betreut sie ältere Patientinnen und Patienten mit komplexen Krankheitsbildern –wie zum Beispiel hüftgelenksnahen Frakturen kombiniert mit internistischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Problemen oder Harnwegsinfekten.
Es geht dabei nicht nur um die Behandlung von Symptomen. Gerade bei älteren Menschen muss die gesamte Lebenssituation berücksichtigt werden. „Wir betrachten nicht nur den Bruch oder die akute Erkrankung, sondern das gesamte Patientenumfeld“, betont die Fachärztin. „Unser Ziel ist es, parallel zur Akutbehandlung Mobilität, Selbstversorgung und Lebensqualität zu verbessern, um Pflegebedürftigkeit zu vermeiden oder Menschen wieder in ihre gewohnte Umgebung zurückzuführen. Aber das braucht Zeit und Geduld.“ Die enge Zusammenarbeit mit Pflegekräften, Physio- und Ergotherapeuten oder Sozialberatung ist hierbei wichtig, um individuelle Lösungen zu finden – vom Wiederaufbau der Selbständigkeit bis hin zum Umzug ins Pflegeheim, wenn es erforderlich ist.
Der Tagesablauf in der Geriatrie ist vielschichtig: Morgens verschafft sich Dr. Rix-Markus einen Überblick über Neuaufnahmen, bevorstehende Operationen oder wichtige Vorkommnisse der Nacht. Es folgen festgelegte Besprechungen auf der Station oder in den Fachbereichen: Gab es Probleme am Vortag? Stehen Entlassungen an? Müssen Therapiepläne angepasst werden? Danach geht es auf Visite. „Wir stehen in engem Austausch mit den fachspezifischen Ärztinnen und Ärzten, besprechen Neuaufnahmen für die Frührehabilitation, führen Gespräche mit Angehörigen und kümmern uns um Dokumentation, Befunde und Briefe für eine weiterführende Reha“, erläutert sie. Bei den Patientengesprächen muss sie stets etwas mehr Zeit einplanen: Schwerhörigkeit, kognitive Defizite oder Ängste wie die Frage „Schaffe ich das noch?“ bedeuten, dass ihre Patientinnen und Patienten intensivere Betreuung brauchen.
Für Dr. Nadine Rix-Markus ist ihre Arbeit in der Geriatrie wie die Fortsetzung des Hausarztgedankens im Krankenhaus: sich Zeit nehmen, zuhören, Lösungen finden und den Menschen in seiner Ganzheit sehen. Sie begegnet Patientinnen und Patienten mit Demenz, Frakturen oder Multimorbidität – ein breites Spektrum, das die Arbeit medizinisch anspruchsvoll und emotional fordernd macht. „Es ist nicht immer einfach, man braucht viel Geduld und muss Rückschläge verkraften. Aber die Mischung aus Herausforderung und persönlicher Nähe macht die Geriatrie für mich so besonders.“
















